Erste Hinweise

Wenngleich unser beschauliches Dettingen erst den 750igsten Geburtstag feierte, so lebten hier wohl schon sehr viel früher Menschen mehr oder weniger einträchtig zusammen. Viele Dokumente fielen den zahlreichen Kriegen, Bränden und Archivumzügen zum Opfer. Dank fleißiger und interessierter Dettinger durch alle Zeiten hindurch konnte aber das ein oder andere Bruchstück unserer Geschichte erhalten und rekonstruiert werden.

Die erste urkundliche Erwähnung geht auf 1275 zurück bzw. 1279 als „Tettingen“ und 1290 als „Dettingen“. Es siedelten jedoch auch schon Römer in Dettingen zu Zeiten der Stadt Sumelocenna (heute Rottenburg), bzw. zwischen 150 bis 300 n. Chr. Die Besiedlung Dettingens beschränkte sich allerdings auf ein simples Versorgungsgehöft, einer sogenannten Villa Rustica, deren Überreste noch heute zu finden sind. 

Es wird sogar angenommen, dass vor Christi Geburt Menschen am Katzenbach siedelten. Denn Täler, die von Gewässern durchzogen waren, versprachen oft eine gute Versorgung durch Ackerbau – was sich im Fall der Dettinger Böden leider nicht bewahrheitete. Dennoch zog das durch Wald eingesäumte Tälchen die Menschen an. Die Anordnung der ältesten verzeichneten Gebäude weist auf eine alemannische Gründung hin. Die Alemannen, die sich 21 n. Chr. aus Sueven, Hermanduren und Markomannen zusammenschlossen, siedelten im heutigen Baden-Württemberg meist in der Nähe verlassener römischer Siedlungen, was für eine Ansiedlung in Dettingen, nahe bei Rottenburg und an einer wichtigen Handelsroute – der heutigen Hechingerstraße  – spricht. Die Alemannen lebten Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. bis ca. ins Mittelalter hinein (bis ins 13. Jhd.) im Bereich zwischen Elsass und Augsburg sowie im Norden nahe Mainz und südlich bis hin zum Bodensee. Die Funde, die bei einer Renovierung unserer Kirche im Jahre 1911gemacht wurden, brachten Zeugnisse römischer und alemannischen Begräbnisstätten zu Tage. Weitere Reihengräber wurden 1850 nördlich des Dorfs in der Flur „Pfingstegart“ entdeckt. Auch der oberhalb liegende Flurname „Eisengraben“ lässt auf dort entdeckte Funde eiserner Grabbeigaben der Alemannen schließen. Der alemannische Reihengräberfriedhof nahe der Kirche stammt aus dem späten 7. Jahrhundert. Somit scheint der Ort für den Bau unserer Kirche nicht zufällig gewählt worden zu sein. Es war von jeher ein geweihter Ort, eine leichte Anhöhe in der Mitte eines beschaulichen Tals eingegrenzt zwischen zwei großen Wäldern. So wurde der heutige Kirchberg auch zum Zentrum der ersten Siedler. 

Unter den Alemannen waren in unserer Gegend die Sueven (Schwaben) am häufigsten. Mit ihnen zog es auch die Franken in unsere Gegend, die wohl 1012 die Stadt Landskron (das heutige Rottenburg) gründeten, welche 1112 durch ein Erdbeben zerstört wurde. Sicherlich kam diese Volksgruppe seinerzeit auch in Dettingen vorbei. Erwähnt wurden Adlige mit dem Beinamen „Tettingen“ schon 1100 im Schenkungsbuch des Klosters Reichenbach, wie etwa „Adelbertus de Tettingen“ und „Petrus miles de Tettingen oder im Hirsauer Codex von 1120 ein „Walterus de Tettingen“ mit weiteren Gütern in bei Herrenberg. Da der Ortsname jedoch, aufgrund seiner alemannischen Herkunft, in der Umgebung häufiger vorkam, ist eine genaue Zuordnung zu unserem Dettingen nicht sicher.

Welchen Namen das alemannische Haufendorf trug, ist urkundlich nicht belegt. Jedoch lässt der spätere Name für den Kirchberg, „auf der Ler“, Rückschlüsse auf die alemannische Bezeichnung für das Ahnengrab des Dorfältesten, „Lee“ oder „Lay“, ziehen. Hier befand sich ebenfalls der Sitz des alemannischen Dorfgerichts. Das altdeutsche Wort Thaidingen oder Thätingen bedeutet „Gericht halten“ und dürfte die Grundlage für den heutigen Namen unseres Dorfes gewesen sein. Haufendörfer waren typisch für alemannische Siedlungen.