Die Römer in Dettingen

Urkundlich erstmals erwähnt wird Dettingen erst im Jahr 1275, besiedelt war unsere Gegend aber schon deutlich früher. Rottenburg, unter der Römerzeit als Sumelocenna bekannt, war ein Verwaltungssitz der damaligen Zeit. Rottenburg selbst wurde ungefähr um 85 n. Chr. in der Regierungszeit von Kaiser Domitian, wahrscheinlich als Militärlager, gegründet. Es ist anzunehmen, dass die Besiedlung im Katzenbachtal nicht allzu lange später erfolgte. Dies kann als sicher angenommen werden, da Sumelocenna Mitte des 2. Jahrhunderts der zentrale Hauptort der Civitas Sumelocennensis wurde, also der Region, die neben dem Neckarraum die Gegend bis in den Schwarzwald umfasste. Für Verwaltungs- oder Marktgeschäfte führte der Weg unweigerlich nach Sumelocenna. Im Umfeld von Sumelocenna entstanden in der Folgezeit zahlreiche Siedlungen und Höfe, sogenannte „villa rustica“. Diese stellten die Versorgung der Stadt sicher.

Auf Römerstraßen unterwegs

Am Rande der Gemarkung von Dettingen befand sich einst eine der wichtigsten Römerstraßen. Sie führte von Windisch, über Hüfingen, Rottweil, Rangendingen, Hirrlingen, Dettingen, Rottenburg (Sumelocenna), Wurmlingen, Unterjesingen, Tübingen, Lustnau und Köngen (Grinario) bis nach Cannstatt bzw. Heidenheim. In Hirrlingen sieht man auch heute noch den Damm, auf dem die Straße gebaut war. Die Straßen wurden in der Regel von den römischen Legionären angelegt. Hier marschierten die Truppen und hier wurde der Nachschub transportiert. Die Straße selbst befand sich oft auf einem Damm. Das Fundament bestand aus größeren Steinen, darüber folgte eine Schicht aus feinerem Kies. Und obenauf befand sich oft eine Abdeckung aus Pflastersteinen.

Es gibt aber nicht nur Reste einer Römerstraße, man fand an der Staig, in Richtung Bodelshausen, auch römische Brennöfen. Leider findet sich hier keine nähere Beschreibung. Es dürfte sich aber um Ziegelbrennöfen gehandelt haben. Diese Ziegel wurden vor allem im Hausbau verwendet.

Weitere Funde gab es beim Abriss der Kirche im Jahr 1911. Hier stach vor allem ein Grabrelief hervor welches aus Stubensandstein gehauen war. Das Relief war 75 cm breit und 52 cm hoch. Auf dem Stein, der links und oben verstümmelt ist, sieht man eine weibliche Figur in langen Gewändern, die auf einem Lehnsessel sitzt und wie ablehnend sich seitwärts wendet, neben ihr anscheinend das linke Bein einer ähnlichen Gestalt. Es wird vermutet, dass das Relief zu einem turmartigen Grabmal gehört haben könnte. Das Relief wurde zusammen mit anderen römischen Stücken gefunden, einem Gesims mit Akanthusblättern und der Basis einer römischen Säule. Bei den Ausgrabungen in der Kirche fand sich in 70 cm Tiefe auch eine römische Kulturschicht. Die Schicht enthielt Kohle und die bekannten römischen Scherben, auch der Sigillata. Des Weiteren fanden sich hier stark verbrannte Menschenknochen. Allerdings nur in einem kleinen Kreis von 1 m Durchmesser, eine Stelle von Leichenbrand also. Mit dabei fanden sich auch angebrannte und nicht angebrannte Tierknochen. Alles deutet auf einen Bestattungsplatz der Römer hin. 

Die Villa Rustica auf der Weil

Eine zugehörige „villa rustica“ findet sich 400 Meter westlich von Dettingen und 100 m nördlich vom Aischbach. Um 1870 führte der Freiherr von Ow-Wachendorf hier Grabungen durch und deckte dabei ein Hyopokaustum auf. Hypokaustum stammt aus dem Griechischen und bedeutet „von unten beheizt“. Die Römer nutzten also damals schon eine Warmluftheizung. Besonders beliebt war dies in Bädern und in einzelnen Räumen von Landvillen. Die römische Villa hatte in der Regel verschiedene Räume wie Atrium, Schlafzimmer, Küchen, Badezimmer, oft auch Arbeits- und Lagerräume. Dabei waren die verschiedenen Räume oft um einen Innenhof angeordnet. Zur Villa gehörten auch Gärten und landwirtschaftliche Nutzflächen.

Im Jahr 1994 konnte schließlich ein weiteres Stück der „villa rustica“ erforscht werden. Bei Arbeiten auf dem Felde konnte auf dem Acker des Josef Herrmann die nördliche Einfriedungsmauer des Hofes aufgedeckt werden. Die Einfriedung war zum einen Teil als breite Steinmauer ausgebildet, zum anderen Teil in Form von Holzpalisaden. Sondierungen des Landesdenkmalamtes in Tübingen ergaben eine Länge der nördlichen Einfriedung von 150 Metern. Aufgrund der Größenangaben ist davon auszugehen, dass hier wohlhabende Römer lebten.

Um 260 n. Chr. wurde unser Gebiet vom römischen Reich wieder aufgegeben und nach und nach von den germanischen Stämmen, insbesondere den Alemannen in Besitz genommen.