Dettingen
1275 – Die erste urkundliche Erwähnung Dettingens
Das Jahr 1275 gilt als Geburtsstunde Dettingens in den schriftlichen Quellen. Aus diesem Jahr stammt die älteste bislang bekannte Urkunde, in der der Ort namentlich erwähnt wird. Zwar existierte die Siedlung bereits viele Jahrhunderte zuvor, doch erst jetzt tritt sie aus dem Dunkel der Vorgeschichte in das Licht der überlieferten Geschichte.
Schenkung an Bebenhausen
Die Urkunde wurde im Zusammenhang mit einer Schenkung an das Zisterzienserkloster Bebenhausen ausgestellt. Gertrud von Ow, die Witwe eines Angehörigen des niederen Adels, übertrug mit Zustimmung ihrer nächsten Verwandten verschiedene Einkünfte und Besitzrechte aus ihren Gütern in Dettingen an die Marienkirche und den Konvent des Klosters Bebenhausen. Solche Stiftungen waren im Mittelalter weit verbreitet. Die Menschen glaubten, durch fromme Schenkungen das Seelenheil für sich selbst und ihre verstorbenen Angehörigen fördern zu können. Gleichzeitig stärkten sie damit die wirtschaftliche Grundlage kirchlicher Einrichtungen.
Die Urkunde vermittelt einen seltenen Einblick in das Leben eines Dorfes im Hochmittelalter. Genannt werden mehrere Höfe in Dettingen, darunter die Höfe „Hagening“ und „Riemen“. Die Pächter dieser Höfe entrichteten ihre Abgaben überwiegend in Form von Naturalien. Dazu gehörten Getreide, insbesondere Roggen, aber auch Eier, Gänse und junge Hühner. Daneben wurden Geldabgaben in Tübinger Schillingen erhoben. Diese Auflistung verdeutlicht, wie stark die mittelalterliche Wirtschaft von der Landwirtschaft geprägt war. Fast alle Bewohner lebten direkt oder indirekt von der Bewirtschaftung der Felder, Wiesen und Viehbestände.
Auch eine Wiese am Österberg wird in der Urkunde erwähnt. Nach dem Tod der Stifterin sollten die Erträge dieser Wiese dauerhaft dem Kloster zufallen. Solche Regelungen zeigen die enge Verflechtung zwischen den geistlichen Institutionen und den ländlichen Gemeinden der Region. Das nur wenige Jahrzehnte zuvor gegründete Kloster Bebenhausen entwickelte sich im 13. Jahrhundert zu einem bedeutenden Grundherrn im Sülchgau und besaß zahlreiche Rechte und Ländereien in den umliegenden Dörfern.
Die erste schriftliche Erwähnung bedeutet jedoch keineswegs, dass Dettingen erst im Jahr 1275 entstanden wäre. Archäologische Funde belegen eine wesentlich ältere Besiedlung. Bereits zur Zeit der Alamannen bestand hier eine Siedlung. Besonders aufschlussreich waren die Entdeckungen beim Abbruch der alten Kirche im Jahr 1911. Dabei wurden mehrere alamannische Grabkammern aus dem späten 7. Jahrhundert freigelegt. Die reichen Grabbeigaben lassen darauf schließen, dass sich an dieser Stelle bereits früh ein bedeutender Siedlungsschwerpunkt befand.
Typisch alamannisch
Der Ortsname selbst deutet ebenfalls auf eine frühe Gründung hin. Die Endung „-ingen“ ist typisch für alamannische Siedlungen und verweist auf die Entstehungszeit vieler Orte zwischen dem 4. und 7. Jahrhundert. Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass Dettingen ursprünglich die Siedlung einer Person oder Sippe namens Detto oder Tetto bezeichnete.
Die Urkunde von 1275 markiert somit nicht den Beginn der Geschichte Dettingens, sondern den ersten erhaltenen schriftlichen Nachweis eines Dorfes, das bereits seit Jahrhunderten bestand. Sie bildet den Ausgangspunkt der dokumentierten Ortsgeschichte und erinnert daran, wie eng das Leben der Menschen damals mit Landwirtschaft, Kirche und Grundherrschaft verbunden war. Gleichzeitig schlägt sie eine Brücke von den frühen Anfängen des Dorfes bis in die Gegenwart und macht deutlich, auf welch lange Geschichte Dettingen zurückblicken kann.