Dettingen
Im Besitz der Habsburger
Graf Rudolf III. von Hohenberg, zu dessen Besitz auch Dettingen gehörte, hatte im Jahr 1381 drückende Schulden angehäuft, die er nicht mehr begleichen konnte. Er sah sich deshalb gezwungen, große Teile seiner Herrschaft an die Habsburger zu verkaufen. Mit diesem Schritt gelangte die Grafschaft Hohenberg und damit auch Dettingen unter österreichische Herrschaft. Dieses Ereignis stellte einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des Dorfes dar, denn für die folgenden mehr als vier Jahrhunderte gehörte Dettingen zu Vorderösterreich.
Die Grafen von Hohenberg hatten den oberen Neckarraum seit dem 13. Jahrhundert geprägt. Ihr politisches Zentrum war Rottenburg am Neckar, das sich zu einer der bedeutendsten Städte der Region entwickelte. Nach dem Übergang an Österreich blieb Rottenburg Verwaltungszentrum der ehemaligen Grafschaft Hohenberg und wurde zu einem wichtigen Stützpunkt habsburgischer Herrschaft. Von hier aus wurden zahlreiche Ämter, Gerichte und Verwaltungsaufgaben für die umliegenden Orte organisiert. Die enge Verbindung zwischen Rottenburg und den Dörfern des Umlandes prägte das tägliche Leben der Bevölkerung über Jahrhunderte hinweg.
Erste Erwähnung
Dettingen selbst wird erstmals im Jahr 1275 urkundlich erwähnt. In einer Schenkungsurkunde übertrug Gertrud von Ow ihre Einkünfte aus Gütern in „Tetingen“ an das Kloster Bebenhausen. Archäologische Funde belegen jedoch eine wesentlich ältere Besiedlung. Beim Abbruch der alten Kirche im Jahr 1911 wurden alemannische Grabkammern aus dem späten 7. Jahrhundert entdeckt, die auf eine frühe Siedlungsgeschichte hinweisen.
Im Mittelalter gehörte das Dorf zur Grafschaft Hohenberg. Die Pfarrkirche und die Pfarrei werden ebenfalls bereits 1275 erwähnt. Das Patronatsrecht ging 1319 von den Grafen von Hohenberg an die Johanniterkommende im benachbarten Hemmendorf über. Dadurch entstand eine enge Verbindung zwischen beiden Orten, die über Jahrhunderte hinweg Bestand hatte. Die Johanniter, später auch Malteser genannt, besaßen in Hemmendorf eine bedeutende Niederlassung und übten dort umfangreiche Herrschaftsrechte aus.
Während der Zugehörigkeit zu Vorderösterreich blieb die Bevölkerung überwiegend katholisch. Dies unterschied Dettingen von vielen benachbarten Gebieten Württembergs, die während der Reformation evangelisch wurden. Die Habsburger förderten Klöster, Kirchen und kirchliche Einrichtungen und stärkten dadurch die katholische Prägung der Region. Die Pfarrkirche St. Dionysius wurde zum religiösen Mittelpunkt des Dorfes. Der heute noch erhaltene Turm stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert und erinnert an die lange Geschichte der Gemeinde.
Besonders schwer traf der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) die gesamte Region. Truppendurchzüge, Plünderungen, Hunger und Seuchen führten zu großen Verlusten in der Bevölkerung. Im Jahr 1633 verwüsteten schwedische Truppen zahlreiche Orte im Raum Rottenburg. Auch Dettingen wurde erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Viele Bauern verloren ihre Ernten und ihr Vieh, sodass Hunger und Not den Alltag bestimmten.
Schlacht zwischen Dettingen und Hemmendorf
Ein besonderes Ereignis aus dieser Zeit spielte sich zehn Jahre später auf den Feldern zwischen Dettingen und Hemmendorf ab. Im Jahr 1643 trafen hier französische Truppen auf bayerische Verbände unter dem berühmten Reitergeneral Johann von Werth. Von Werth, einer der bekanntesten Heerführer des Dreißigjährigen Krieges, konnte die Franzosen in einem Gefecht schlagen. Obwohl die Auseinandersetzung nicht zu den großen Schlachten des Krieges zählt, blieb sie im lokalen Gedächtnis lebendig. Noch heute erinnern die Flurnamen „Siegeltal“ und „Trommelschlegel“ an diesen militärischen Erfolg und an die kriegerischen Ereignisse jener Zeit.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges begann für Dettingen eine Phase des Wiederaufbaus. Landwirtschaft und Handwerk bildeten weiterhin die wirtschaftliche Grundlage des Dorfes. Die Lage zwischen Rottenburg, Hemmendorf und dem bewaldeten Rammert begünstigte die Entwicklung einer stabilen Dorfgemeinschaft. Gleichzeitig blieb die Bevölkerung eng mit den Verwaltungsstrukturen Vorderösterreichs verbunden.
Erst die napoleonischen Umwälzungen beendeten die jahrhundertelange österreichische Herrschaft. Im Frieden von Pressburg musste Österreich 1805 seine vorderösterreichischen Gebiete abtreten. Die Grafschaft Hohenberg mit Rottenburg und Dettingen fiel an das Königreich Württemberg. Damit endete nach 424 Jahren die Zugehörigkeit zu Vorderösterreich. Dettingen wurde dem Oberamt Rottenburg zugeteilt und später Teil des Landkreises Tübingen.
Die Erinnerung an diese lange Geschichte ist bis heute sichtbar. Die Pfarrkirche St. Dionysius, historische Hofanlagen, alte Flurnamen und zahlreiche Überlieferungen erinnern an die Zeit der Hohenberger, der Habsburger und der Johanniter. Besonders die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges sowie das Gefecht von 1643 zwischen Dettingen und Hemmendorf haben einen festen Platz im historischen Gedächtnis des Dorfes. Gemeinsam mit der engen Verbindung zu Rottenburg und der jahrhundertelangen Zugehörigkeit zu Vorderösterreich bilden sie wesentliche Bestandteile der Identität Dettingens bis in die Gegenwart.