Dettingen
Die ehemaligen Klöster in Dettingen
In und um Dettingen entstanden schon frühzeitig Niederlassungen von tief im Glauben verwurzelten Frauen und Männern, die im Glauben zusammenleben wollten, um Gott und dem Nächsten in Gebet und werktätiger Liebe zu dienen.
Das Beguinenkloster
Vom einstigen Beguinenkloster ist in Dettingen nichts mehr zu sehen, einzig die nach ihm benannte Beguinenstraße erinnert noch an das ehemalige Vorhandensein.
Beguinen als auch Begarden waren Mitglieder von religiösen Laiengemeinschaften die sich ab dem 13. Jahrhundert überall in Europa bildeten. Meist handelte es sich dabei um fromme Jungfrauen oder Witwen aus dem Bauern- oder Handwerkerstand. Sie schlossen sich zusammen um gemeinsam Gott in Gebet und werktätiger Liebe zu dienen. Sie kümmerten sich vor allem um Kranke, Arme und Sterbende.
Die Beginen oder Closnerinnen legten allerdings kein Gelübde ab, sie konnten jederzeit wieder aus ihrer Gemeinschaft austreten. Sie waren also keine Nonnen oder Schwestern im eigentlichen Sinne. Selten war eine Gruppe größer als 12 Frauen und sie stellten sich dann unter die Leitung einer Meisterin und unterstanden meistens der Aufsicht des Pfarrers oder eines Franziskaner-Guardians, da sie meist die Regel des III. Ordens befolgten.
Ihren Lebensunterhalt verdienten sich die Beginen durch Werke der Nächstenliebe, diese bestanden aus Weben, Spinnen, Nähen, Krankenversorgung, Totenwache, Mesnerdienste oder andere Dinge im Sinne der Nächstenliebe. Um das Jahr 1400 hatte bald jede Ortschaft ihre eigene Klause, so zum Beispiel auch in Hirrlingen, Kiebingen, Ofterdingen und vielen anderen. In Rottenburg selbst gab es sogar mehrere Klausen.
Das Dettinger Beguinenkloster soll sich im Gebiet des ehemaligen „Clausengarten“ befunden haben, also direkt westlich und südlich des Kirchturms. Schon der Name „Clausengarten“ weist darauf hin, dass sich hier einst wohl ein Kloster befunden hat. 1703 wurde im „Clausengarten“ ein Haus gebaut und heute befindet sich das Rathaus an dieser Stelle. 1620 gibt Zeyr Beck aus seinem Garten an der Klausen zwischen der Kirchmauer und der Allmandgaß 1 Huhn. Damit ist das „Beginen-Heusl im Flecken zu Dettingen“, wie es Mitte des 16. Jahrhunderts genannt wurde, genügend lokalisiert.
Erste urkundliche Erwähnung
Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich erstmals im Jahr 1446, als „Priorin und Klausnerinnen zu Töttingen“ ihre Gerechtigkeit an einem „Gesäß“ (Haus) zu Rottenburg am Neckar verkaufen.
Dann hört man von ihnen erst wieder etwas im Jahr 1524, als der Laienbruder Alexander Hirrlinger, der letzte Einwohner des Waldbruderhauses im Mönchstäle, eine der Klausnerinnen aus dem Dettingen Beguinenkloster in Reutlingen vor den Traualtar führt.
Im Jahr 1542 kam das Beginenheusl und dessen Zugehörigkeit (also die Güter und Gefälle), an das Franziskanerinnen-Kloster in Sülchen (Rottenburg).
Die Klause in Sülchen musste dafür die einzige alte und kranke Schwester, die noch in Dettingen lebte, übernehmen und für ihren Lebensunterhalt sorgen.
In einer Notiz aus dem Jahr 1555 gehörten zu Dettinger Klause in Zelg Laibere 1 Jauchert im Horber, 2 Morgen am Apfelboom und noch 1 Morgen dort, in Zelg Höche 2 Morgen in der Saalwies und in der Zelg Seefeld 2 Morgen am Ochsenrain.
In der Klause wohnte damals eine Dorthea Mincherin, weyland Burckhart Minchers sel. Hausfrau. Ob sie dort noch als Beguine war, ist aus den Quellen nicht ersichtlich.
1559 wollten die Klausnerinnen aus Sülchen den Dettinger Besitz verkaufen. Sie scheinen keine große Freude damit gehabt zu haben. Sie hatten Schwierigkeiten mit den Dettinger Bauern die ihnen die Rechte des Viehtriebs, der Raichung von Brennholz u.a., strittig machten, die ihnen eigentlich als Inhaberinnen der Dettinger Klause zustanden.
Die vorderösterreichische Regierung in Innsbruck bestätigte ihnen aber am 23. Dezember 1551, dass ihnen die Rechte zustanden und sie sollten sie „unbeschwert“ innehaben.
Da die Klausnerinnen aus Sülchen aber den Erlös aus dem Verkauf der Dettinger Klause fest anlegen sollten, für den Fall, dass „wieder Frauen kommen“, und der Verkauf von der Regierung nur genehmigt wird, wenn die Zustimmung des zuständigen Priors oder Ordinarius vorliegt, so bleibt alles beim alten Zustand.
Es war Sülchen auch nicht möglich zu ermitteln, welchem Orden die Dettinger Klausnerinnen angehörten: „Das Beghinenheusl zu Dettingen sei nit Parfüßer sondern eines andern Orden gewest“. Damit war aber auch die Zustimmung des geistlichen Oberen, des Bruders Erhardt Finsinger, damaligen Provinzials der Straßburger Provenienz, hinfällig. Noch am 11. Februar 1592 wird der Standpunkt der österreichischen Regierung wiederholt.
In Folge des 30-jährigen Krieges kam dann die Klause in Sülchen, samt der Dettinger Klause im Jahr 1643/1656 an die „Klausen der Luthkirchen zu Ehingen bei Rottenburg“ (1498), das heißt an die Klause bei der alten Pfarre St. Remiggi in Oberehingen, später einfach als Obere Klause zu Ehingen bezeichnet. Deren Schicksal teilte die Dettinger Klause dann bis zur Aufhebung im Jahr 1782.
Das Mönchstäleskloster
Wenn man von Dettingen aus in Richtung Ofterdingen wandert, immer am Aischbach entlang, so gelangt man nach einer halben Stunde an ein Seitentälchen des Baches, das sogenannte Mönchstäle. Folgt man dem Tälchen, so kommt man nach einiger Zeit an eine Stelle, an der man noch Mauerreste findet. Mehr ist leider nicht mehr übrig vom ehemaligen Waldbruderhaus der Terziaren vom Dritten Orden des hl. Franziskus.
Vor 100 Jahren fand der ehemalige Pfarrer Beßler dort wohl noch deutliche Mauerreste und Teile eines gefassten Brunnens. Außerdem will er noch Reste eines Gartens und einer Fischgrube bzw. eines Weihers gefunden haben. Heute erinnert nur noch ein Schild der Forstverwaltung mit der Bezeichnung „Nonnenholz“ an die ehemalige Behausung im Tal. Auch einige heute noch verwendete Flurnamen erinnern an die ehemals franziskanische Niederlassung: Mönchsbrunnen, Mönchstalweg und andere. Auf Karten finden sich auch noch die Namen Nonnenholz bzw. Klosterfrauenwald vermerkt, in früheren Jahren hieß es auch Münchwald oder Wald beim Wiherle. Im Jahr 1767 finden sich auch die Bezeichnungen: Weyertäle oder Bruderhaus, auch Bruder- oder Ainsydlerhaus im Tettinger Wald.
In den alten Ordenschroniken der Franziskaner ist leider nur sehr wenig zu finden. Man hört von einem „Münichkloster im Petinger Wald“, in dem Begarden oder Nollbrüder wohnten. Greiderer, der Verfasser der Germania Franciscana, schreibt aber schon, dass es sich hierbei nur um den Wald im Dettinger Tal handeln kann. Er meint, dass die Terziarenniederlassung früher zur Tiroler Provinz gehörte und verortet das Bruderhaus eine Stunde Fußweg von Rottenburg bzw. eine halbe Stunde Fußweg von Dettingen entfernt. Ihm zufolge muss die Niederlassung schon 1394, wenn nicht noch früher, bestanden haben.
Erste urkundliche Erwähnung
Urkundlich wird das Bruderhaus für diese Zeit frühestens genannt, es soll aber schon 1360 entstanden sein, als Folge einer Schenkung der Herren von Ow-Hirrlingen oder Ow-Bodelshausen.
Greiderer gibt als sicherste Zahl das Jahr 1394 an. In diesem Jahr kauften Johannes Buttler und sein Bruder Berthold, als Commendeinhaber in Wildau ein Gut in Bodelshausen. Aus der Urkunde selbst ist nicht ersichtlich, ob die Brüder das Gut für sich oder das Bruderhaus in Dettingen kauften, aus späteren Inventaren des Bruderhauses wird jedoch ersichtlich, dass die Waldbrüder in Bodelshausen einen Hof besaßen.
Der nächste Nachweis des Bruderhauses findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1395. P. Heinrich Raich von Rottenburg, Magister des Predigerordens und Konventuale des Klosters Rottweil, schließt am Freitag nach Jacobi 1395, also am 30. Juli 1395, einen Vertrag um einen jährlichen Zins mit den Waldbrüdern ab.
Im Jahr 1419 verhandelten die Waldbrüder mit Eitel Engelfried, Schultheiß von Rottenburg und setzten dann mit Aberlin Speidel aus Bodelshausen und Kaspar Butter aus Balingen einen Vertrag über einen Zins auf. Und im selben Jahr wurde ein Priester in das Waldbruderhaus aufgenommen der die Messe lesen sollte. Die Erlaubnis dazu bekamen die Waldbrüder von Ulrich Krueg, Statthalter und Komthur von Hemmendorf.
Bei Greiderer finden sich in der Folgezeit auch weitere Zinsverschreibungen: 1480 von Conrad Püsling aus Dettingen, 1482 von Johannes Ulmer aus Dettingen, 1486 von Andreas Las aus Schwalldorf, 1488 von Conrad von der Aue über den Kauf eines Waldes.
Giefel schreibt in der Oberamtsbeschreibung von Rottenburg auch noch davon, dass Jörg III. von Ow zu Hirrlingen, am 23. Juni 1488, einen Wald an das Bruderhaus verkaufte. Im gleichen Jahr wird den Besuchern und Wohltätern der Kapelle im Mönchstäle ein Ablass verliehen.
Schirmbrief durch den Kaiser
Aus dem Urkundenverzeichnis von Giefel ist zu entnehmen, dass am 10. Mai 1493, den Waldbrüdern von Kaiser Maximilian einen Schirmbrief ausgestellt wurde und, dass der Konventuralenprovinzial, am Fest der hl. Agatha 1494 bestimmte, was die Waldbrüder für eine „Regel und Wesen“ führen sollten. Das führte aber dazu, dass die Waldbrüder nicht mehr nur Begarden waren, sie waren mit der Festlegung der Regeln auch in den Verband der Straßburger Konventualenprovinz aufgenommen. Konventualen werden auch als Franziskaner-Minoriten oder aufgrund ihres Habits, als schwarze Franziskaner bezeichnet.
Im Jahr 1500 gab es wegen der Weiden, die den Brüdern für ihr Vieh zustanden, von Eitel Friedrich, Graf von Zollern und Kammerer des Kaisers, eine eigene Anweisung. Diese Jahre kann man wohl ruhig als die Blütezeit des Klosters bezeichnen, vor allem auch deshalb, weil sich die Brüder der Straßburger Provinz angeschlossen hatten.
Am 8. Juli 1515 trat Bruder Johannes Knipfer, Terziar des hl. Franziskus, seine Rechte auf das Waldbruderhaus und seinen Besitzanteil ab. Dies geschah wohl auch im Zusammenhang mit der übernommenen Observanz, nach der Brüder keinen Privatbesitz mehr beanspruchten, auch wenn sie Güter der Klause zugebracht hatten. Eventuell ist der Bruder aber auch einfach ausgetreten? Wir wissen es leider nicht.
Im Jahr 1516 kielt sich Kaiser Maximilian I. in Rottenburg auf und Bruder Alexander Hirrlinger war persönlich zu ihm gepilgert, um sich die „Freiheiten und Privilegien“ vom Jahr 1493 erneut bestätigen zu lassen.
Damit endet auch schon die kurze Blütezeit des Klosters im Dettinger Tal, wenige Jahre später verließen die meisten Brüder ihr Waldbruderhaus.
Der letzte Waldbruder heiratete
Vor allem Bruder Alexander Hirrlinger trat noch einmal in Erscheinung. Im Jahr 1524 heiratete er eine Begine aus der Klause von Dettingen und ließ sich in dem evangelisch gewordenen Reutlingen trauen. Er verlangte sein Erbgut zurück und versuchte zunächst noch mit der Klausnerin im Bruderhaus zu bleiben, wurde aber von der Regierung daraus verwiesen.
Am 12. September 1524 berichten Hauptmann und Amtleute der Herrschaft Hohenberg an die Statthalter und Hofräte der vorderösterreichischen Lande zu Innsbruck: „Bruder Alexander, lange Laienbruder in der Klause im Dettinger Wald, habe eine geistliche Person aus der Klause zu Dettingen in Reutlingen zur Kirche geführt und geehelicht. Sobald sie, der Hauptmann und die Amtleute, das erfahren, hätten sie diesen Bruder von Stund an aus dem Bruderhaus verwiesen. Da es aber nun öde dastand und leer war, hätten sie es mit etlichen Gütlein an einen Laien verpachtet, natürlich nur mit der Bewilligung der Regierung von Innsbruck. Würden sie jetzt schon andere Brüder in das Haus hineingetan haben, so hätten wohl auch diese übel gehaust, wozu noch käme, dass die Zinsen und Gülten des heurigen Jahres wohl kaum hinreichten, die Schulden des Bruderhauses damit zu zahlen. Seien diese bezahlt, so könne nach Ermessen der Regierung das Haus wieder mit Brüdern besetzt werden. Mittlerweile könne man auch sehen, wie sich die Läufte der lutherischen Handlung halben enden oder schicken wollten. Damit man ihnen aber nicht vorwerfen können, sie hätten aus dem Bruderhaus einen Maierhof machen wollen, so hätten sie einen Priester beauftragt, ein- oder zweimal dort Messe zu lesen. Der genannte Bruder Alexander, der die Absicht kundgab, sich im nahen Dettingen häuslich niederzulassen, begehrte einen Acker und „etlich fahrend Hab“, dass er in das Kloster eingebracht hatte. Obwohl wir wissen, dass er eine Zeitlang „hertiglich“ dort gearbeitet habe, solle ihm sein Eingebrachtes nur überlassen werden, wenn er sich im Dorf Dettingen niederlasse.“
Die Einwilligung dazu dürfte jedoch kaum erfolgt sein, schließlich äußerte der Erzherzog seinen Unwillen mit den Worten: „Die ausgeloffenen Nonnen… sollten vertrieben und verjagt werden“. Bruder Alexander war also protestantisch geworden und damit hatte das Kloster sein frühes Ende gefunden.
Scheinbar drückten das Bruderhaus aber noch Schulden und so verpachtete die Regierung unter Bedingungen 3 Äcker die zum Bruderhause gehörten an Aberlin Hermann von Dettingen.
Leider bestand aber auch keine Aussicht wieder Brüder für das leerstehende Anwesen zu finden die bereit waren darin ein religiöses Leben zu führen. Aus diesem Grund wurde das Waldbruderhaus am 15. Juli 1528 durch den Landschreiber Wolfgang Kurz eingezogen und dem Landschreiberamt unterstellt. Bessler berichtet allerdings davon, dass 1533 noch 4 Brüder ausgetreten sein sollen. Wenn dies den Tatsachen entsprechen würde, dann scheint es so, als ob nochmals ein Versuch gemacht wurde, das Haus in seiner Bestimmung zu erhalten.
Kirchberg übernimmt das Waldbruderhaus
Die Besitzverhältnisse änderten sich erneut, als das Bruderhaus im Jahr 1529 dem Domini-kanerinnenkloster Kirchberg bis auf Widerruf überlassen wurde. Das Kloster Kirchberg war kurz zuvor von einem Feuer heimgesucht worden, so dass sie das Bruderhaus nebst Zinsen gerne übernahmen. Die Priorin, Margarete von Ow, musste sich aber verpflichten, im Besitzstand des Waldbruderhauses nichts zu verändern und vor allem auch nichts zu veräußern. Außerdem sollte zweimal in der Woche hl. Messe in der Kapelle „ordentlich gelesen werden“. Schon aus der Entfernung zwischen Kirchberg und Dettingen ist leicht ersichtlich, dass sich Kloster Kirchberg nicht zu sehr an die Verpflichtungen gehalten hat. Aus diesem Grund wurden 1529 und 1533 Inventuren durch den Landschreiber Hans Kurz und den Hofschreiber Georg Precht vorgenommen. Die Regierung in Innsbruck war über die Ergebnisse wohl nicht besonders erfreut, es kam zu Beanstandungen und Drohungen. Es half aber alles nichts, denn gleich nach der letzten Inventur verkauft der Konvent in Kirchberg im Jahr 1533 Zinsen und Gülten in Dettingen. Deshalb wird das Stift St. Moriz in Rottenburg damit beauftragt, zu untersuchen, ob das Kloster Kirchberg seinen Verpflichtungen nachkomme.
Die Dominikanerinnen zeigten jedoch keine Änderung in ihrem Verhalten und so richtet die Regierung in Innsbruck am 4. Dezember 1539 ein letztes Monitorium an Kirchberg. Dem Kloster wurde besonders zur Last gelegt, dass die zwei wöchentlichen Messen nicht gelesen wurden. Die Drohung richtet darauf ab, dem Kloster Kirchberg den Besitz wieder abzunehmen und solchen zu geben, die aufmerksamer und dankbarer wären. Das Stift in St. Moriz hatte sich schon länger bemüht, in den Besitz des Waldbruderhauses zu gelangen. Die Regierung in Innsbruck wäre nicht dagegen gewesen, einzig König Ferdinand glaubte noch daran, das Kloster Kirchberg durch eine strenge Visitation zu einem ordentlichen Umgang mit dem Bruderhaus bewegen zu können.
Lange Zeit hört man nichts mehr vom Waldbruderhaus. Erst im Jahr 1582, am 25. April, erfahren wir in einem Schreiben des Christoph Wendler von Bregenrot, Statthalter Georg Walch, Landschreiber Lorenz Haug und Andres Precht, Hof- und Gegenschreiber zu Hohenberg, welches an die Regierung in Innsbruck gerichtet ist: Kirchberg lasse die zwei Wochenmessen nicht lesen, das Bruderhaus sei baufällig und im Abgang, komme keine Besserung so gehe es vollends zugrunde. Und die Bürgerschaft von Dettingen meldete schon am 7. Februar 1582, dass das Kloster Kirchberg das Bruderhaus dem Grafen Christoph von Zollern überlassen wolle. Dieser wollte ein Jagdhaus daraus machen. Die Regierung war aber dagegen. Die Nutzung sollte weiterhin dem Geist des Hauses entsprechen. Auch die Dettinger Bürgerschaft bat Erzherzog Ferdinand, das Waldbruderhaus nicht dem Grafen zu geben, da das Jagen und Streifen in ihren und den umliegenden Wäldern ihre Früchte verderben und Viehtrieb und Wildgang hindern könne. Vielmehr solle der Erzherzog den Besitz in ihre Hände übergeben. Der Kanzler Leomann Schiller von Herdern und die Regierung in Innsbruck schlugen dem Erzherzog vor, dem Grafen als auch der Bürgerschaft ihre Bitten abzuschlagen und sich vielmehr wieder nach Brüdern umzusehen.
Das Dorf Dettingen meldete am 21. August 1585, dass Kirchberg aus dem Wald des Bruderhauses 339 Klafter Holz und 14.000 Büschel Reisig geschlagen habe, davon sei aber die Hälfte der St. Leonhartspfründe in Sülchen zugehörig. Darauf verlangte die Regierung in Kirchberg am 23. April 1586, das Kirchberg aus dem Erlös das Waldbruderhaus mitsamt der Kapelle wieder erbauen müsse.
Die Inventur vom Bruderhaus aus dem Jahr 1533 war verloren gegangen und wurde im Jahr 1586 wieder gefunden. Sie spielt deshalb auch eine Rolle bei den fortgesetzten Beanstandungen bis 1593. Das Kloster in Kirchberg hatte sich am 13. Juni 1586 bereit erklärt, noch im gleichen Jahr mit den Baumaßnahmen zu beginnen. Allerdings schein entgegen der Versprechen wohl nichts passiert zu sein.
Im Jahr 1587 bemühte sich dann Hans Rotfelder, Altvater im Bruderhaus Bernstein um das verlassene Waldbruderhaus. Zeitgleich sprach Pater Michael Landmann, Provinzial der Tiroler Provinz, dem Bernstein zugehörte, bei der Hohenbergischen Regierung vor.
Bei den Verhandlungen kam es zwischen Kirchberg und Bernstein zum Streit, zu dessen Beilegung die Parteien sich am 16. Mai 1588 in Kirchberg trafen. Die Seite Bernsteins wurde von Magister Melchior Zanger, Probst zu St. Moriz vertreten. Der Dominikaner Hieronymus Gilcher, Vikar der schwäbischen Nation und Prior zu Gmünd vertrat das Provinzial Kirchbergs. Gilcher erklärte sich bereit zur Heraus-gabe alles dessen, was Kirchberg seinerzeit im Bruderhaus angetroffen hätte. Allein wenn Bernstein sich auf das Inventar von 1533 berufe, so sei zu bedenken, dass Württemberg etliche Gülten, Zinsen und liegende Güter eingezogen hätte, diese könnten sie nicht mehr ersetzen. Bernstein erklärte sich mit der Rückgabe der noch vorhandenen Mobilien und Immobilien einverstanden, allerdings sollte das Bruderhaus baulich wieder hergestellt werden, der dazugehörige Weiher und anderes, so wie es seinerzeit an Kilchberg gekommen wäre. Darauf wollte Kilchberg aber nicht eingehen. Das Haus genüge so, wie es sei für ein Bruderhaus. Etliche Brüder könnten dort wohnen. Man verlangte eine unparteiische Inspektion der Gebäude. Als man jedoch soweit war und Bernstein eine endgültige Zusage geben sollte, lehnte es ab mit der Begründung, dass man mit der Armut im eigenen Kloster genug zu schaffen hätte.
Bernstein schlug einen gewissen Ziegelhanns vor, der die Haushaltung übernehmen und die Gottes-dienste einrichten wollte. Doch einer Privatperson wollte die Regierung in Innsbruck das Wald-bruderhaus nicht übergeben. Bernstein schlug vor, das Bruderhaus doch zu übernehmen, wenn die von Württemberg eingezogenen Güter zurückkämen. Es handelte sich dabei um 6 Malter Vesen und 6 Malter Haber jährliche Gülten, eine Wiese und einen Wald die Württemberg eingezogen hatte.
1593 bittet Georg Ecker, Franziskanerprovinzial, Erzherzog Ferdinand II, man möge das Bruderhaus seinem Orden übergeben, doch hierzu kam es nicht.
Schließlich wurde das Bruderhaus am 21. Juni 1599 an Ritter Adam II von Ow-Hirrlingen pachtweise überlassen. Die Bedingung war dabei die Bezahlung von 6 Pacht-Schillinger Heller. Der Ritter erhielt das Recht, einen Bauern einzusetzen, die Äcker und Wiesen zu nutzen und höchstens drei Stück Rindvieh, niemals Geisen zu halten. Waidgang im herrschaftlichen Wald war verboten. Der Ritter von Ow-Hirrlingen durfte sein Jagdzeug im Haus aufbewahren, aber darin nicht „Hunde halten und ludern“. Das Haus sollte im baulichen Zustand erhalten bleiben. Wie lange Ritter Adam II. von Ow-Hirrlingen diese Pacht nutzte ist nicht bekannt.
Lange Zeit hört man nichts mehr vom Bruderhaus, erst in Verhandlungen aus den Jahren 1649-1651 wird bekannt, dass sich Erzherzog Ferdinand Karl doch überlegt, das Bruderhaus nun doch dem Franziskanerorden zuzuweisen. Nach einer Aussage von Bürgermeister Andreas Gessler, sollte der Ertrag aus dem Waldbruderhaus 1651 zum Bau des Franziskanerklosters in Horb verwendet werden. Aus diesem Grund wurde das Bruderhaus schließlich im Jahr 1655 an die Tiroler Provinenz übergeben. Noch am 27. Mai 1652 beauftragte die Regierung hohenbergische Beamte mit der Untersuchung des Vermögensstandes des Klosters Kirchberg und ob das Kloster Kirchberg schuldig sei, dass die zwei Messen nicht gelesen wurden. Kirchberg war indes der Ansicht, dass man schon über 20 Jahre keinen Nutzen mehr vom Waldbruderhaus hätte, dieses sei ruiniert und eingefallen und in den Wäldern sei kein Holz zu finden, mit dem die Franziskaner ihre Kirche bauen könnten. Die Messen seien im Übrigen immer gelesen worden und zwar von ihren Ordenspriestern in Rottweil.
Die Oberen Klausen in Rottenburg übernehmen des Waldbruderhaus
Weil die Franziskaner in Horb aber Reformanten waren, durften sie eigentlich keine liegenden Güter annehmen. Deshalb wurde der Besitz des „Bruderhauses zu Tettingen im Waldt“ am 20. Juni 1656 mit allen Rechten und Gerechtigkeiten der oberen Klause von Rottenburg übergeben. Die obere Klause hatte der Gemeinde Dettingen für das Waldbruderhaus Steuer zu entrichten. Noch 1767 zahlte sich jährlich 1 Pfund Heller bzw. 38 Kreuzer. Als Nachfolgerin bezahlte dann die Stadt Rottenburg, die den Klosterfrauenwald im Weihertäle gekauft hatte, die Steuer. Im Jahr 1825 löste Rottenburg die Grundgefälle ab mit 12 Gulden 55 Kreuzern und 1829/30 noch die 2 jungen Hühner aus dem Weihertäle mit 10 Kreuzern. Immer aber schon hatte das Dorf Dettingen das Recht, beim Waldbruderhaus „in ihre Häub durchzufahren und daselbst über den Weiher eine Brücke zu erhalten, damit das Vieh auf die Waid gehen kann“.
Streift man heute durch das Mönchstäle so sind außer einer Mauer und einer Deichel vom ehemaligen Kloster nicht mehr viel zu sehen. Einzig die Tafeln mit der Bezeichnung des Waldstückes „Nonnenwald“ erinnern an die Waldbrüder die hier von 1360-1524 lebten.
Der lange andauernde Verfall des Waldbruderhauses bot dafür reichlich Stoff für allerlei Mär. Es wird erzählt, dass im Bauernkrieg die Neugläubigen von Ofterdingen ins Tal eingedrungen seien und die Mönche erschlagen hätten um schuldige Abgaben auf einfachste Art loszuwerden.
Der Volksmund weiß auch zu erzählen, dass nach dem Ende des Waldbruderhauses die Glocken auf den Dettinger Kirchturm kamen und die stattlichen Eichenbalken beim Bau einiger Häuser in Dettingen verwendet worden seien. Auch zwei Kruzifixe im Dorf sowie die Pieta oder Schmerzensmuttergruppe sollen aus der Kapelle des Bruderhauses stammen. Die Pieta wurde leider beim Bau der neuen Pfarrkirche verkauft, heute findet sich in derselben eine Nachbildung von ihr.