Das dritte Reich - Zeit des Nationalsozialismus

Das dritte Reich - Zeit des Nationalsozialismus

Auch wenn man heute natürlich lieber nicht mehr an die unheilvolle Zeit zurückdenken mag, so darf man diese Jahre doch nicht verdrängen, um künftige Generationen vor ähnlichem Unheil zu bewahren.

Der Nationalsozialismus entstand in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg. Die nationalsozialistische Bewegung machte sich die Not der Menschen zunutze und es bot sich damit ein breiter Nährboden für die undemokratischen Ziele. 1933 war es dann so weit, indem die Bewegung eine Diktatur errichtete. Es gab mit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) nur noch eine einzige Partei mit ihrem „Führer“ Adolf Hitler. Dabei wurden vom Nationalsozialismus nationalistische, antisemitische und fremdenfeindliche Ziele verfolgt. Um für die Deutschen mehr „Lebensraum“ zu bekommen, sollten fremde Länder erobert werden. So begann im Jahr 1939 der zweite Weltkrieg, der mit Millionen von Toten am 8. Mai 1945 endete.

Selbstverständlich war die nationalsozialistische Bewegung auch in Dettingen zugange, wenngleich auch weniger erfolgreich als in anderen Städten und Gemeinden. Das lag einerseits am tiefreligiösen Glauben der Gemeinde, in der sich seit jeher eine Mehrheit für die konservative Zentrumspartei fand. Andererseits hatte man das Glück mit Pfarrer Kottmann einen streitbaren Gemeindepfarrer zu haben, der keineswegs mit den Zielen der nationalsozialistischen Bewegung einverstanden war und dies in seinen sonntäglichen Predigten auch kundtat.

Die nationalsozialistischen Gruppierungen in Dettingen

Auch in Dettingen fanden sich begeisterte Anhänger der NSDAP. Es waren einige wenige, aber sie traten Anfang der 30er-Jahre der Partei bei und bald existierte auch eine Ortsgruppe mit Ortsgruppenleiter. Dem Ortsgruppenleiter stand bis 1938 auch ein Stützpunktleiter, als Stellvertreter des Ortsgruppenleiters, zur Seite. Die Aufgabe des Ortsgruppenleiters bestand vor allem in der Betreuung und Überwachung der Bevölkerung im Dorf.

Neben der Ortsgruppe der NSDAP gab es auch weitere Gliederungen, wie beispielsweise die Sturmabteilung (SA). Als ehemalige paramilitärische Kampforganisation wurden die Mitglieder vor allem als Ordner bei Veranstaltungen eingesetzt. In Dettingen gab es auch Mitglieder der SA. Aufgrund ihrer geringeren Zahl konnte jedoch nur zusammen mit den Männern aus Weiler eine Einheit gebildet werden.

Auch das Deutsche Jungvolk, kurz Jungvolk genannt, hatte in Dettingen eine Gruppierung. Hier trafen sich vor allem die Jungen zwischen 10 und 14 Jahren. Wurde man älter, so wurde man automatisch an die Hitlerjugend überwiesen. Die Hitlerjugend war an ihren Uniformen zu erkennen. Sie bestand aus einer hellbraunen Mütze, einer hellbraunen Jacke und einem schwarzen Halstuch. Dabei gab es schon unterschiedliche Rangabzeichen. Sie waren an die Rangabzeichen der Wehrmachtsuniformen angelehnt und wiesen auf die Disziplin und soldatische Härte der Hitlerjugend hin. So sollte schon frühzeitig Begeisterung für den Kriegsdienst geweckt werden. Die Uniform musste man im Übrigen selbst bezahlen. Nach dem Eintritt in die Hitlerjugend bekam man einen Zuweisungsschein, der zum Kauf der Uniform in einem sogenannten Braunen Laden berechtigte.

Für die Dettinger Mädels gab es, wie andernorts auch, den Bund Deutscher Mädels (BDM), in dem sich die Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren zusammenfanden. Die Kleidung der Mädchen bestand aus einer weißen Bluse, einem blauen Rock, einer braunen Weste und einem Halstuch. Mit der Kleidung sollte ein abenteuerliches und sportliches Image ausgestrahlt werden. Aus diesem Grund war die Kleidung des BDM auch nicht mädchenhaft, sondern eher sportlich und praktisch.

Die Uniform oder Tracht durfte im Übrigen nur zu Fahrten, im Dienst oder zu besonderen Veranstaltungen angelegt werden. In der Schule war es verboten, diese Kleidung anzuziehen.

Ziel aller Gruppen war es, die Jugend im Sinne des Nationalsozialismus zu trimmen, die Loyalität zu Adolf Hitler anzueignen und vormilitärisch auszubilden. Dazu wurden für alle Gruppen Fahrten und Wanderungen organisiert und es wurden Filme gezeigt. Im Hitlerheim gab es auch Heimatabende. Hierbei wurden „Hitlerlieder“ gesungen und Vorträge gehalten. In den Veranstaltungen für die Mädels wurden auch Handarbeitskurse angeboten. Hier wurde gestrickt oder gehäkelt, die Mädchen sollten für das Leben als Mutter einer Familie vorbereitet werden.

Natürlich wurde man nicht gezwungen, in den Gruppierungen Mitglied zu werden, man wurde im Dorf aber zumindest von den Nationalsozialisten schräg angeschaut. Außerdem war es vor allem für Jugendliche teilweise auch schwieriger einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu bekommen. Bei der Einstellung wurde man gefragt, ob man Mitglied in der Partei war.

Aufgrund der starken Stellung der Kirche in Dettingen, tat sich die nationalsozialistische Bewegung im Dorf schon etwas schwerer als in Gemeinden vergleichbarer Größe. Die Kirche hatte ihre eigenen Jugend-Organisationen wie die marianische Kongregation. Hier gab es unter dem Schutz von Pfarrer Kottmann und der Kirche ein anderes Programm für die Dettinger Jugendlichen.

Neben den Gruppierungen für die Männer war in Dettingen auch die NS-Frauenschaft anzufinden. Sie war die Frauenorganisation der NSDAP. Ihre Aufgabe war vor allem der krankenpflegerische Einsatz und die Durchführung von politischen Schulungen. Am Muttertag organisierte die NS-Frauenschaft für die Frauen in Dettingen ein Essen im Adlersaal. Es wurden Bratwurst und Salat für alle Frauen des Dorfes ausgegeben. Mitglied in der Partei musste man dafür nicht sein. Das Essen wurde dabei meist von einem führenden Mitglied der Ortsgruppe gespendet. In späterer Zeit, während dem Krieg besuchten die Frauen auch immer wieder verwundete Soldaten im Krankenhaus in Tübingen, um ihnen ein paar schöne Stunden zu bereiten und sie von ihrem Leiden abzulenken.

Von Anfang an traten die Mitglieder der NSDAP und ihre Gruppierungen auch öffentlich auf. Vor allem am 1. Mai waren sie zugange. Die Nationalsozialisten hatten im Jahr 1933 den 1. Mai zum Nationalfeiertag, dem „Tag der nationalen Arbeit“ erklärt. Ein Jahr später wurde der Tag dann zum „Nationalen Feiertag des Deutschen Volkes“. Deshalb trat die Bewegung vor allem an diesem Tag an die Öffentlichkeit mit einem großen Feuer bzw. einem Zug durchs Dorf. Auch die anderen Propagandaaktionen der Nationalsozialisten wurden fleißig unterstützt. An den sogenannten Opfersonntagen fand beispielsweise das angeordnete Eintopfessen statt. Dabei sollte von Oktober bis März, jeweils am ersten Sonntag des Monats, nur Eintopf gegessen werden. Die Differenz gegenüber dem sonst üblichen Mittagessen, die von „oben“ mit 50 Pfennig festgelegt war, sollte dem Winterhilfswerk gespendet werden. Das Geld wurde von den örtlichen Gruppierungen eingesammelt. An diesen Sonntagen gab es auch in den Wirtschaften dann nur Eintopf zu essen. 

Das Hitlerheim wurde im Übrigen von der Gemeinde gekauft und der Partei für ihre Zwecke zur Verfügung gestellt. Es handelte sich dabei um das Gebäude der ehemaligen Firma Spießhofer, einem Textil-Betrieb, der in Dettingen eine Filiale betrieben hatte. Zutrittsberechtigt zum Heim und den Veranstaltungen waren nur die Mitglieder der Partei bzw. der Jugendorganisationen. Aber auch wenn man sich in der Öffentlichkeit zeigte, so wurde Mitgliederwerbung nicht öffentlich gemacht. Dies geschah in Dettingen durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Widerstand gab es kaum

Einen offenen Widerstand gegen die Bewegung gab es in Dettingen nicht. Nur Pfarrer Kottmann traute sich, den Nationalsozialisten entgegenzutreten. Im Verbogenen gab es aber schon einige, die mit dem Geschehen im Dorf nicht einverstanden waren, zeigten dies aber aus Furcht vor Repressionen nicht in der Öffentlichkeit. Trotzdem wurde die ein oder andere Veranstaltung der NSDAP sabotiert. So wurde einmal am 1. Mai, während den Feierlichkeiten der Bewegung, der Feueralarm ausgelöst. Im Mönchstalweg war auf einmal ein großes Feuer gemeldet worden, welches es zu löschen gab.

Pfarrer Kottmann klärte früh schon immer wieder in der Kirche auf und ermahnte die Gläubigen. In der Kirche saßen allerdings auch Spitzel, die den Pfarrer bei den Nazis anschwärzten. Mehrmals wurde er deshalb von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) abgeholt und verhört. Die Nationalsozialisten hatten keine Angst vor Pfarrer Kottmann, aber sie konnten ihn auch nicht richtig greifen. Der Pfarrer hatte Einfluss auf die Bevölkerung und er war gewitzt und intellektuell den Nationalsozialisten haushoch überlegen. Pfarrer Kottmann hatte nie den „Hitlergruß“ benutzt. Für ihn gab es nur ein Heil, das Heil im Kreuz, im Namen Jesus. Den Hitlergruß nicht zu benutzen war eigentlich schon ein Vergehen. Auch beim Betreten des Rathauses musste man den Hitlergruß zeigen. Tat man dies nicht, so wurde man aufgefordert das Rathaus unverrichteter Dinge zu verlassen und wieder zu kommen.

Von der Regierung wurde im Jahr 1931 der freiwillige Arbeitsdienst (FAD) eingeführt. Dabei handelte es sich um ein öffentlich gefördertes Beschäftigungsprogramm. Junge, arbeitslose Menschen sollten sich dabei freiwillig in einem Arbeitslager zusammenfinden um dann von hier aus, für eine befristete Zeit, einer Arbeit nachzugehen, die für die Allgemeinheit von Nutzen war und die den jungen Menschen das Gefühl gab, gebraucht zu werden. Da das Regime in Berlin mit dem Arbeitsdienst eine Teillösung der Wirtschaftskrise sah, wurde der Arbeitsdienst nach der Machtergreifung nicht aufgelöst, sondern nach eigenem Gutdünken umgestaltet zu einem Instrument, zur Erziehung zur Volksgemeinschaft. Von Dettingen waren einige junge Männer beim Arbeitsdienst. Sie arbeiteten 8 Stunden für einen geringen Sold. Dabei bauten sie den „Langen Weg“ im Rammert und richteten den Gassenweg neu. Zu weiteren Arbeiten in Dettingen gehörte auch die Entwässerung der Wiesen im Dettinger Tal.